Neurologische Frührehabilitation

Rehabilitationspotential optimal zu nutzen

Frührehabilitation ist die erste Phase einer Rehabilitationskette im Anschluss an eine Akutbehandlung. Das erfordert die schnellstmögliche Übernahme aus dem Akutkrankenhaus, um so die noch vorhandenen Fähigkeiten optimal zu fördern und das Rehabilitationspotential optimal zu nutzen. Unser Ziel ist dabei stets die größtmögliche Selbstständigkeit des Patienten sowie die Wiedereingliederung in sein soziales Umfeld.

Behandelt werden Schwerstbetroffene mit ausgeprägten neurologischen Störungen nach Erkrankungen wie Schädel-Hirn-Trauma, Schlaganfall, entzündlichen und raumfordernden Prozessen des zentralen Nervensystems sowie nach Sauerstoffmangel infolge Herz-Kreislauf-Versagens.

Behandlungskonzept

Ausgehend von einer sorgfältigen Analyse der Funktionseinschränkungen erstellen wir zunächst einen individuellen Rehabilitationsplan. Die Grundlage unseres Handelns ist dabei das Bobath-Konzept. Entwickelt wurde dieser Behandlungsansatz in den 40er Jahren von Berta und Dr. Carel Bobath. Auf der Basis von klinischer Beobachtung, Erfahrung und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen wird das Bobath-Konzept ständig weiterentwickelt. Es zählt bis heute zu den anerkanntesten Rehabilitationskonzepten in der Neurologie.

Die Verantwortung für die Umsetzung des Bobath-Konzepts hat rund um die Uhr unser therapeutisches Team. Befund und Behandlung basieren auf den Beobachtungen, die wir bei den Alltagsaktivitäten der Patienten machen. Bei Patienten im Wachkoma analysieren wir deren Reaktionen auf verschiedenste Sinnesreize. Aus diesen Beobachtungen ziehen wir Rückschlüsse auf die neurologischen und neuropsychologischen Defizite unserer Patienten.

Im Rahmen einer Patientenkonferenz, an der alle Berufsgruppen teilnehmen, tragen wir die Beobachtungen zusammen und formulieren Behandlungsziele, die in Teilschritten erreicht werden sollen. Gleichzeitig einigen wir uns auf einen einheitlichen, jeweils individuellen Umgang mit den Patienten ("Handling"). Hierbei ist das Wissen um die normale Bewegung die Grundlage unseres Handelns. Dadurch ist es uns möglich, dem Patienten so viel Unterstützung wie nötig zu geben ("Fazilitation"). In wöchentlichen Teamkonferenzen überprüfen und aktualisieren wir dann die jeweiligen Behandlungsziele.

Eine wesentliche Bedeutung für unsere Arbeit hat die Betreuung der Angehörigen. Sie werden über die Inhalte des Bobath-Konzepts informiert und angeleitet, um die Rehabilitation in der Klinik und später zu Hause zu unterstützen.

Was kommt nach dem Klinikaufenthalt?

In Abhängigkeit vom Rehabilitationsergebnis bieten sich für unsere Patienten folgende Möglichkeiten der Weiterversorgung an:

  • Entlassung in das häusliche Umfeld, wobei die Patienten  immer mit den erforderlichen Hilfsmitteln versorgt sind und ambulante Therapieangebote nutzen können
  • Einleitung von weiterführenden stationären Rehabilitationsmaßnahmen (Anschlussrehabilitation)
  • Verlegung in eine geeignete Pflegeeinrichtung.
Anmeldung zur neurologischen Frührehabilitation

Anmerkung: Geeignet für die Durchführung einer Neurologischen Frührehabilitation am Krankenhaus (OPS 8-552.x) sind schwer/schwerst betroffene Patienten mit einer neurologischen Rehabilitationsdiagnose und einem Barthel-Score von maximal 30 Punkten bei Aufnahme. Das sind in der Regel Patienten auf Intensive-Care-, Intermediate-Care- oder Stroke-Units mit Z.n. Stroke (ICB, SAB, Hirninfarkt), SHT, O2-Mangel oder mit Querschnitt bzw. Critical-Care-Neuropathie. Voraussetzung für eine Übernahme sind ausreichende Spontanatmung (ohne ASB), stabile Kreislaufverhältnisse (ohne Katecholamine) und normal(isiert)er Hirndruck. Kein Hinderungsgrund ist dagegen das Vorliegen eines absaugpflichtigen Tracheostomas oder einer PEG. Bei Besiedlung, höhergradigen Dekubiti, Dialysepflichtigkeit und sonstigen medizinischen Besonderheiten bedarf es eines telefonischen Vorgespräches.